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Gicht ist nicht nur eine Frage des Alters

Was sind Purine?

Purine sind Bausteine aller pflanzlichen und tierischen Zellen und finden sich damit auch in Fleisch und Fleischprodukten. Personen, die an Hyperurikämie oder Gicht leiden, müssen die Purinmenge, die sie mit der Nahrung aufnehmen, einschränken.

 

In unserem Körper sind in jeder Zelle im Zellkern die Erbinformationen gespeichert. Diese Informationen befinden sich in den Chromosomen, die aus Desoxyribonukleinsäure (DNS) bestehen. In der DNS codieren die vier Basen Adenin, Guanin, Thymin und Cytosin die genetische Information. Die ersten beiden Basen werden Purinbasen, die letzten beiden Pyrimidinbasen genannt. Alle Informationen, die für den Aufbau von Proteinen notwendig sind, werden von der RNS (Ribonukleinsäure) aus dem Zellkern hinausgetragen. Auch die RNS besteht aus Pyrimidin- und Purinbasen. Purine kommen somit in allen menschlichen Zellen vor, aber auch in den Zellen von allen Tieren und Pflanzen, denn diese sind aus den gleichen Bausteinen aufgebaut. Generell gilt: Je höher ein Lebewesen entwickelt ist, desto mehr genetische Informationen sind notwendig und desto mehr DNS und RNS (und damit auch Purine) sind vorhanden. Purine fallen einerseits in unserem Körper an, andererseits nehmen wir sie auch mit der Nahrung auf. Der überwiegende Teil der eigenen Purine wird wieder verwertet. Etwa 10% davon sowie alle aus der Nahrung stammenden Purine werden in unserem Organismus mit Hilfe von Enzymen abgebaut bis zum Endprodukt Harnsäure.

Jeden Tag fallen dadurch etwa 700 mg Harnsäure an, wobei ca. 300 mg aus den eigenen Zellen stammen. Diese Harnsäure wird dann zu ca. 25% über den Darm und zu 75% über die Nieren ausgeschieden.

 

Bei den meisten Menschen funktioniert der Purin- und Harnsäurestoffwechsel ohne Probleme. Es gibt jedoch Personen, die eine angeborene Störung dieses Stoffwechsels haben. Es sind vor allem Männer davon betroffen (zwischen 10 und 30% aller Männer), bei den Frauen tritt die Stoffwechselstörung nur bei 2-6% auf. Bei dieser Störung wird die Harnsäure meist von den Nieren vermindert ausgeschieden, so dass es nach einer Mahlzeit mit hohem Puringehalt zu einer Erhöhung des Harnsäurespiegels im Blut kommt (Hyperurikämie). Ist die Hamsäurekonzentration im Blut zu hoch bzw. das Blut gesättigt, bleibt die Harnsäure nicht mehr gänzlich gelöst, sondern fällt als Kristalle aus. Wenn sich diese Harnsäurekristalle im Gewebe. in den Nieren und Gelenken ablagern, leidet die betroffene Person unter Gicht. Die Kristallablagerungen führen zu schmerzhaften Gelenksveränderungen und Entzündungserscheinungen, ausserdem können auch die Nieren dadurch geschädigt werden. Etwa 10% der Menschen mit Hyperurikämie entwickeln die klinischen Symptome von Gicht.

 

Personen mit Hyperurikämie und Gicht müssen die Purinaufnahme mit der Nahrung einschränken, um die Harnsäurekonzentration im Blut unter dem kritischen Wert zu halten. Wie oben erwähnt, haben höher entwickelte Lebewesen mehr DNS als die weniger hoch entwickelten, deshalb finden sich grundsätzlich in Fleisch und Fisch mehr Purine als in pflanzlichen Lebensmitteln. Trotzdem liefern auch Hülsenfrüchte und einige Gemüsesorten beachtliche Purinmengen. Innereien weisen die höchsten Gehalte auf. Bei uns in den Industrienationen stellt jedoch Muskelfleisch die mengenmässig grösste Purinquelle dar. Für eine purinarme Diät wird deshalb empfohlen, die Portionengrösse von Fleisch, Wurst und Fisch unter 100 g/Tag zu halten und den Proteinbedarf hauptsächlich über Milch und Milchprodukte abzudecken, da diese als Purinträger nur von geringer Bedeutung sind. Muss die Diät sogar streng purinarm sein (z. B. nach einem akuten Gichtanfall), muss die Verzehrshäufigkeit von Fleisch und Fisch auf 2-3 Mal pro Woche eingeschränkt werden. Ganz verboten sind Innereien wie z. B. Leber oder Nieren. Ausserdem sollten Hülsenfrüchte und andere purinreiche pflanzliche Lebensmittel wie z. B. Kohl und Spinat gemieden werden. Dagegen ist eine hohe Flüssigkeitszufuhr angesagt, jedoch keine alkoholischen Getränke. Letztere enthalten zwar keine Purine (mit Ausnahme von Bier), die Verstoffwechslung von Alkohol im Körper führt jedoch zu einer Einschränkung der Harnsäureausscheidung über die Nieren. Der Puringehalt der Lebensmittel ist von der Lagerung und der Zubereitung abhängig. So kann z. B. durch Kochen eines Nahrungsmittels der Gesamtpuringehalt um ca. 10-20% verringert werden, da ein Teil der Purine herausgelöst wird und ins Kochwasser übergeht.

 

Purine sind lebenswichtige Bausteine von Mensch, Tier und Pflanze. Personen mit Hyperurikämie und Gicht müssen die Aufnahme von Purinen einschränken, wodurch der Verzehr von Fleisch und Fleischprodukten limitiert wird. Für Personen ohne diese gesundheitliche Vorbelastung stellen Purine jedoch kein Problem dar und sind kein Grund, den Fleischkonsum einzuschränken.

 

Alexandra Schmid, Forschungsanstalt Agroscope, Liebefeld-Posieux ALP Bern

 

 

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