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Eine Zeiterscheinung gibt Fragen auf

Energie essen oder trinken? Mehr als eine Stilfrage

 

Im Zeitalter der Vermischung unserer Muttersprache mit englischen Begriffen für alle Lebensbereiche entwickeln sich auch verschiedene Gewohnheiten in der menschlichen Ernährung. Dabei haben die sogenannten «Energy-Drinks» eine wichtige Rolle eingenommen - aber eher im negativen Sinn. Man bleibt mit Vorteil beim Fleisch für die Energiezufuhr. Die Frage drängt sich nun auf nach dem kausalen Zusammenhang von Energy-Drinks und Fleisch.

 

Unsere Muttersprache ist aus dem englischen Sprachraum schon sehr stark infiltriert worden. Zuweilen könnte man meinen, wir ständen im rhetorischen Alltag vor einem «unfriendly takeover». Bahnhöfe werden mit «Rail City» bezeichnet, der Bankangestellte ist heute ein «Banker», und das Rasierwasser hat schon längst zu «Aftershave» mutiert. Seit den neunziger Jahren ist das hiesige Getränkeangebot um die Gattung «Energy-Drinks» erweitert worden.

 

Der Genuss von Energiegetränken ist im Wesentlichen das Resultat einer Modeströmung, welche schon seit geraumer Zeit einen Umsatz im dreistelligen Millionenbereich generiert - und dies fast ausschliesslich im jugendlichen Bevölkerungssegment. Tendenz steigend bzw. sich ausdehnend auf Kinder im Schulalter. Gemäss einer Studie der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA) konsumieren rund 8 Prozent der Buben und 5 Prozent der Mädchen im Alter zwischen 11 und 15 Jahren täglich ein- oder mehrmals solch aufputschende Tranksame.

 

Heiligt der Zweck die Mittel?

Wenn Getränke dazu beitragen, dass junge Leute reichlich mit Energie versorgt werden, damit sie ihren körperlich und meist auch geistig anspruchsvollen Alltag besser zu bewältigen vermögen, so spricht eigentlich nichts gegen den betreffenden Konsum. Aber da ist halt noch die Crux mit den unerwünschten Kalorien. welche primär dem hohen Zuckergehalt zuzuschreiben sind. Das Gros der «Energy-Drinks» enthält zwischen 10 und 12 Gramm Zucker pro 100 Milliliter. Weil die im Verkauf angebotenen Dosen zumeist 150 ml enthalten, beläuft sich die Zuckerzufuhr auf 25 bis 30 Gramm, was sieben bis acht Stücken Würfelzucker entspricht. So wird die Problematik rasch erkennbar, der vermeintliche Nutzen aus der Energiezufuhr stark relativiert.

Reiner Zucker - und darum handelt es sich - steigert den Energiegehalt der festen wie auch der flüssigen Nahrungsmittel. Anders als bei den «Süssspeisen» Früchte und Gebäck werden im «Zuckerwasser» nicht einmal essenzielle Nährstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe mitgeliefert, womit wenigstens noch ein Nebennutzen ausgewiesen werden könnte. Es handelt sich deshalb um eine reine Energiezufuhr, welche das Risiko von Übergewicht stark schürt statt eindämmt. Infolgedessen darf man sich zweifellos die Frage stellen. ob denn die an und für sich willkommene Energiezufuhr nicht durch den überspitzten Zuckerkonsum ad absurdum geführt wird. Entsprechend lässt sich in der Folge feststellen, dass der Zweck (Energiezufuhr) nicht per se die Mittel (Zuckerzufuhr) heiligt.

 

Koffein - das geduldete Doping

Ausser der soeben kritisch betrachteten Süsskomponente Zucker ist in den Energy-Drinks Koffein enthalten. Die Menge in einer Dose entspricht etwa jener, die in einer Tasse Kaffee enthalten ist. Dieser anregende Wirkstoff kann für empfindliche Personen oder im Falle kontinuierlich hohen Konsums zu Erregungszuständen, Magen-Darm-Beschwerden, Schlafstörungen und Beschleunigung des Herzrhythmus führen. Im Deklarationsland Schweiz wird deshalb per Gesetz der Hinweis auf jedem Energy-Drink verlangt, wonach der Konsum wegen des Koffeins massvoll zu halten sei und dass das Getränk für Kinder, Schwangere oder andere empfindliche Personen ungeeignet sei. Wichtig ist auch der Hinweis «nicht mit Alkohol mischen». Dieser Mix ist zwar überaus populär, aber nicht ganz ungefährlich.

Das Koffein überdeckt die Wirkung des Alkohols, namentlich im Hinblick auf die Schläfrigkeit. Denn das künstlich herbeigeführte Wachgefühl täuscht über die alkoholische Realität hinweg und motiviert gar noch zu weiterem Konsum. Risikofaktoren mannigfaltiger Arten entwickeln sich unbewusst. Behördliche und gesetzgeberische Warnungen in Sachen «Energy-Drinks» sind deshalb absolut legitimiert.

 

Kollateralschäden

Nebst den bereits genannten Inhaltsstoffen enthalten diese Kraftwässerchen diverse Säuren, welche wegen ihrer besonders signifikanten Präsenz im Getränk für den Zahnschmelz gefährlich werden. Die daraus resultierenden Zahnschäden wären nicht nötig, treten aber doch in Form einer unangenehmen und kostspieligen Begleiterscheinung auf.

Nimmt man die nutritive Empfehlung noch hinzu, wonach Sportler vor, während und nach der Erbringung einer Leistung auf Energy-Drinks verzichten sollen, weil Sportverletzungen begünstigt und die Erholung beeinträchtigt werden, so scheint es, als gäbe es überhaupt keinen Grund, solche Energiegetränke zu konsumieren.

Tatsächlich werden die Menschen, welche in Bezug auf «Energy-Drinks» abstinent durchs Leben gehen, von keinerlei Mangelerscheinungen betroffen sein, insbesondere wenn sie für das Geld ein Stück Fleisch konsumieren. Denn im Fleisch steckt die wahre Energie und erst noch in wertvoller Verbindung mit zahlreichen essenziellen Stoffen. Und trinkt man zu diesem Energiespender gar noch ein Glas Wein, so entsteht eher Genuss denn Gefahr.

So ergibt sich die Antwort auf die Frage im Titel dieses Beitrags von selbst: «Energie wird gegessen, nicht getrunken!»